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Manchmal, wenn ich über Open Source nachdenke, habe ich das Gefühl, dass es um viel mehr geht als nur um Software. Es geht um Haltung. Um eine Idee davon, wie Menschen miteinander umgehen können – freiwillig, respektvoll, gemeinsam.
FOSS (Free and Open Source Software) ist kein Produkt, das man kauft. Es ist ein Versprechen, das man teilt. Ein Versprechen auf Wahlfreiheit, auf Vertrauen, auf Solidarität.
Open Source gibt uns die Möglichkeit, selbst zu wählen. Nicht, weil es bequem ist – sondern weil es richtig ist. Ich kann entscheiden, welche Software ich nutze, welche Daten ich teile, welchen Code ich ansehe, verändere oder weitergebe. Diese Wahlfreiheit ist ein kleiner, aber bedeutender Akt der Selbstbestimmung in einer Welt, in der uns vieles abgenommen, verpackt und algorithmisch serviert wird.
Wer einmal verstanden hat, dass „open“ nicht nur technisch, sondern auch philosophisch gemeint ist, der spürt schnell, wie befreiend das sein kann.
In der Open-Source-Welt gilt ein einfaches Prinzip: Teilen macht stärker. Es geht nicht um Gewinnmaximierung, sondern um gemeinsamen Fortschritt. Einer schreibt ein Skript, eine andere verbessert es. Jemand übersetzt die Dokumentation, jemand testet, jemand hilft in einem Forum. Und keiner von ihnen verdient direkt daran – und doch profitieren alle.
Das ist gelebte Solidarität. Ein Geben und Nehmen, das nicht in Verträgen festgeschrieben, sondern im Vertrauen verankert ist.
Wer Open Source lebt, merkt schnell: Niemand kann alles, aber alle zusammen können unglaublich viel. Das Internet ist voll von Menschen, die freiwillig ihr Wissen teilen – nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Das ist ansteckend. Man lernt voneinander, man erkennt, dass Vielfalt eine Stärke ist. Und dass Kollaboration nicht Chaos bedeutet, sondern Kreativität entfesselt.
Es gibt diesen schönen Satz: „Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.“ Open Source lebt genau davon. Der Gedanke, dass jeder Zugang haben darf, dass niemand ausgeschlossen wird, dass Transparenz kein Risiko, sondern ein Wert ist. Teilen ist in dieser Welt kein Verlust – es ist eine Form von Reichtum.
Wer Open Source nutzt, ist kein Kunde, sondern Teil einer Gemeinschaft. Man kann mitreden, beitragen, verbessern. Und auch, wenn man nie eine Zeile Code schreibt, ist man Teil des Systems – schon durch das Nutzen, durch Feedback, durch Interesse. Diese Teilhabe macht etwas mit einem. Sie gibt einem das Gefühl, nicht bloß Konsument, sondern Mitgestalter zu sein.
Open Source verändert den Blick auf die Welt. Man fängt an, Dinge zu hinterfragen: Muss das geschlossen sein? Warum darf ich das nicht selbst reparieren? Warum ist das geheim? Man entwickelt ein Bewusstsein dafür, dass digitale Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine Entscheidung – jeden Tag aufs Neue.
FOSS lehrt uns, dass Technologie kein Machtinstrument sein muss, sondern ein Werkzeug zur Emanzipation. Dass Zusammenarbeit keine Schwäche, sondern die größte Stärke sein kann. Und dass Freiheit, Transparenz und Respekt miteinander untrennbar verbunden sind.
Open Source ist mehr als Code.
Es ist ein sozialer Vertrag. Ein stilles Einverständnis zwischen Menschen, die glauben, dass es besser ist, gemeinsam zu bauen als allein zu besitzen.
Und wer einmal Teil davon war, trägt diesen Gedanken weiter – in Projekte, in Gemeinschaften, ins Leben.
Ich selbst bin bereits 1996 ganz selbstverständlich in diese Welt hineingerutscht – zuerst aus Neugier, dann aus Überzeugung. Heute nutze ich fast ausschließlich Open-Source-Systeme, weil sie sich einfach richtig anfühlen. Sie geben mir Freiheit, sie fordern mich heraus, und sie verbinden mich mit Menschen, die ähnlich denken. In einer Zeit, in der vieles privatisiert und abgeschottet wird, ist FOSS für mich ein Stück gelebte Menschlichkeit – ein digitales Zuhause mit offenen Türen.
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